Mitmachen und Erleben im mittelalterlichen Stil

We’ve had several posts from south Germany and Switzerland in the past, so this week we’re redressing the balance and turning to a more northerly destination: a small town in Nordrhein-Westfalen. One of OGN’s team recently went to find out what you could do there over Pentecost, which is a public holiday in Germany. Read on…

Letztes Wochenende war in Deutschland ein langes Wochenende – wegen Pfingstmontag, einem religiösen Feiertag. Erwachsene haben am Montag frei – und die meisten Kinder mindestens eine Woche Schulferien. Das ist die perfekte Gelegenheit – ganz wie zu den Bank Holidays in Großbritannien! – in überhitzten Autos im Stau zu sitzen und sich in überfüllte Züge zu zwängen -, um z. B. Familienmitglieder anderswo in Deutschland zu besuchen.

Also schloss ich mich den Scharen an und fuhr mit dem Zug nach Krefeld in Nordrhein-Westfalen (die offizielle Website der Stadt findet ihr hier). Seit dem 18. Jahrhundert ist die Stadt wegen der Seidenstoffproduktion als ‘Samt- und Seidenstadt’ bekannt. Doch schon im Mittelalter wurde Flachs in der Umgebung angebaut, womit Leinenstoff hergestellt und auf dem Markt verkauft wurde. Dieser inzwischen tradierte ‘Flachsmarkt’ ist jetzt eine alljährliche Veranstaltung und einer der größten historischen Handwerkermärkte in Deutschland – und den wollte ich mit Freunden besuchen.

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Burg Linn (Foto: joerg74)

Einmal angekommen, fuhren wir zum Veranstaltungsort des Marktes: der Wasserburg Linn, die vor den Toren Krefelds liegt. Sie ist eine der ältesten Burganlagen des Niederrheins (andere Burgen, die man besuchen kann, findet ihr hier). Die Burg ist von einem breiten Wassergraben umgeben und heißt deswegen ‘Wasserburg’.

Die Burg wurde als Stammsitz der freiadeligen ‚Herren von Linn‘ im 12. Jahrhundert errichtet, aber der Großteil des heute noch erhaltenen Baubestandes stammt aus dem 13. Jahrhundert. Als die Familie ausstarb, wurden die Grafen von Kleve mit dem Besitz belehnt. Etwa zu dieser Zeit wurde auch die Stadt Linn gegründet, die heute zur Stadt Krefeld gehört. Die ganze Burganlage macht also einen durchaus mittelalterlichen Eindruck mit Türmen, Torzwinger, Rittersaal und einem Bergfried, während die Straßen des umliegenden Stadtteils mit Pflastersteinen gepflastert sind. Alte Fachwerkhäuser stehen dicht aneinander am Straßenrand.

 

Der Flachsmarkt findet auf dem Parkgelände rund um die Burg statt. Die Anlage ist riesengroß – und das muss sie auch sein, denn über 300 Handwerker errichten hier ihre Stände und bieten ihre Waren an. Der Anblick all dieser Stände und der vielen Besucher war überwältigend: hier waren Flachsspinner, Handweber, Lehmbauer, Sattler, Seiler, Rüstungsschmied, Kettenhemdmacher, Perückenmacher, Imker, Buchrestauratoren, Spitzenklöppler, Töpfer und Buttermacher – und viele mehr – zu sehen. Und das Tollste war, dass man ihnen bei der Arbeit über die Schulter schauen konnte und in vielen Fällen durfte man sogar selber mitmachen. Das ist nämlich ein wichtiges Kriterium für die Flachsmarktaussteller – die Besucher sollen nicht nur ihre Waren kaufen, sie sollen dabei auch etwas Lernen und Erleben können.

Falke Burg Linn Pfingsten 2017
Ein Falke fliegt über die Köpfe der Zuschauer (Foto: Jolan)

Nachdem wir also alle Hüte beim Hutmacher anprobiert und dem Leinenweber an seinem Webstuhl zugeschaut hatten, ließen wir uns von den Rittern  beim Turnier unterhalten. Ein besonderer Höhepunkt für mich waren aber die Falkner, die in luxuriöser mittelalterlicher Tracht ihre Vögel präsentierten – dass ein Jagdvogel so lautlos und nah an allen Köpfen vorbeifliegen kann, hätte keiner von uns gedacht! Leider ist der Falke so schnell geflogen, dass niemand ein wirklich gutes Foto davon machen konnte (aber wir haben es versucht).

Flachsmarkt 2017Und trotz der vielen Besucher und des schönen Wetters war die Burg definitiv nicht so voll von Menschen wie mein Zug auf der Hinreise!

Madeleine, Stuttgart

(Uncredited photos by Madeleine & Harald T.)