Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus!

OGN Coordinator, Madeleine, has recently moved to Germany. Here, she reports on a typical German springtime custom…

Und aus den Flammen steigen
Viel lustige Geister hervor,
Sie wiegen sich fliegend im Reigen
Und schwingen sich singend im Chor.

Die Hexen schweben hernieder
Und dreh`n sich im feurigen Kreis:
Da fährt es auch uns durch die Glieder,
Wie ein Taumel, fieberheiß.

So schrieb Christoph von Mickwitz im 19. Jahrhundert in einem Frühlingsgedicht. Aber… Hexen und Hexentanz? Da denkt man doch an Oktober, amerikanische Halloween-Traditionen  und geschnitzte Kürbisköpfe – und nicht an Frühling, wo alles ja viel heller und bunter ist, wo die Schäflein auf der Wiese herumtollen und flauschige Entenküken in den Bächen plantschen.

Aber nicht in Deutschland, Österreich und der Schweiz, denn am 30. April ist Walpurgisnacht! In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai – sagen die Legenden – halten die Hexen ein großes Fest, einen Hexensabbat, mit Tanzen, Feuerspringen, und anderen teuflischen Bräuchen, an unterschiedlichen hochgelegenen Orten ab. Der Blocksberg (eigentlich ‚Brocken‘ genannt) in der Harzregion in Sachsen ist ein besonders wichtiger Standort in dieser Hinsicht, aber es gibt auch andere sogenannte ‚Hexenberge‘ in Deutschland, z.B. den Kandel im Schwarzwald und den Staffelberg in Franken.

Johannes Praetorius Blockes-Berges Verrichtung Leipzig 1668
Johannes Praetorius, Blocks-Berg Verrichtung (Holzschnitt, 1668)

Die Walpurgisnacht hat viele volkstümliche Bräuche hervorgerufen – man wollte sich und sein Gut in dieser gefährlichen Nacht schützen! Besen und Maibüsche wurden ausgelegt, um Häuser und Höfe gegen das Böse zu beschützen; Maifeuer wurden angezündet und Maibäume aufgestellt und rumgetanzt, um die bösen Geister zu vertreiben, dadurch auch den Frühling willkommen zu heißen und die damit verbundene Fruchtbarkeit zu feiern.

Und da die Deutschen, Österreicher und Schweizer gesellige Menschen sind und gerne feiern, wurde die Walpurgisnacht zu dem perfekten Anlass für eine Party – und zwar den Tanz in den Mai! Sicher werden noch heute Feuer angezündet und rumgetanzt, Walpurgislieder gesungen und starke Maibowle getrunken. Aber lange musst du im Internet nicht stöbern, bis du eine lange Liste von Veranstaltungen in deiner Nähe findest. Von Volksfesten und vornehmen Maibällen über allerlei Konzerte bis hin zu Kneipen- und Club-Veranstaltungen – es ist für jeden Geschmack was da, wobei du dich austoben und die Nacht hindurch bis in die frühen Morgenstunden tanzen kannst. Und – ganz klar – die Sonne in Mai aufgehen sehen kannst.

Eliszis Jahrmarkttheater Tanz in den Mai 2016 2
Eliszi’s Jahrmarktstheater

Und ich? Ich tanze leidenschaftlich gern und dazu gibt es dort, wo ich wohne – in Stuttgart in Baden-Württemberg – viele Möglichkeiten. Da könnte ich beispielsweise von einem hohen Ort, z.B. von dem Riesenrad im Cannstatter Wasen beim Frühlingsfest (das ist quasi das Pendant zum herbstlichen Volksfest, die schwäbische Antwort auf das Münchner Oktoberfest) oder vom  Fernsehturm hinaus auf die Stadt hinunter blicken. Leider gibt es an beiden Orten eher wenige Möglichkeiten, das Tanzbein schwingen zu lassen. Wohl aus Sicherheitsgründen… Aber auf dem Killesberg vielleicht? Er ist zwar nicht der höchste Berg des Stuttgarter Kessels, aber da ist oft viel los. Also habe ich im Internet kurz gesucht… Und tatsächlich – in Eliszi’s Jahrmarktstheater, mitten im Höhenpark Killesberg, haben sich die Tanzfreudigen gesammelt.

Hot Jazz Rewinders Eliszis 2016
Moderator René und die Hot Jazz Rewinders sorgen für Stimmung auf dem Parkett

Und geswingt. Zur Livemusik direkt aus den 1920er und 1930er Jahren mit den Hot Jazz Rewinders haben die Swingtänzer aus Stuttgart und auch ferneren Orts bis früh in die Morgenstunden geschwoft – fast wie Otfried Preußlers berühmte kleine Hexe. Die heißen Rhythmen sorgten nicht nur für eine tolle Stimmung und Energie – aber wem es im Zelt wirklich langsam zu warm wurde, konnte auch ein Bierchen trinken und etwas frische Luft schnappen. Rings um die Tanzfläche und auch draußen vor dem Zelt – wenn es nicht geregnet hat – haben Tänzer sich ausgeruht, munter miteinander geplaudert und zugeschaut, wie die anderen paarweise eine flotte Sohle auf das Parkett legten. Bis dann die Frage wieder kam: Magst du tanzen? – Morgen erst durften einem die Füße wehtun, denn jetzt hieß es: wieder rein ins Getümmel!

Martin & Madeleine Mai 2016
In Eliszi’s lassen die Leute das Tanzbein schwingen (und swingen).

Madeleine, OGN Coordinator

Fotos: Richard Schuster & Swingkultur Stuttgart

(Und mehr zum Hexentanz und Walpurgisnacht in deutschen Texten und Bildern erfährt ihr hier!)

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